Fallrohrsanierung im laufenden Betrieb einer Ferienwohnanlage

Kaiserslautern, Mai 2018

Die Sanierung von Schmutzwasser-Fallrohren mit dem Schlauchlining-Verfahren ist im Vergleich zur Sanierung von erdverlegten Grund- und Anschlussleitungen in Deutschland (noch) nicht weit verbreitet. Die bautechnischen Randbedingungen, wie insbesondere die Sanierung in kleinen Nennweiten ab DN 50, Dimensionswechsel, Bögen bis zu 90° sowie das Öffnen seitlicher Abzweige und Zuläufe, erfordern neben geeigneter Gerätetechnik vor allem auch handwerkliches Geschick. Die Firma CANN’A’QUA Kanalsanierung aus Bad Harzburg stellt sich diesen Herausforderungen bereits seit Jahren und saniert neben erdverlegten Leitungen auch Abwasserohre innerhalb von Gebäuden ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten. In einem aktuellen Projekt wurden die schmutzwasserführenden Fallleitungen einer Ferienanlage in Bad Harzburg grabenlos saniert – und zwar im laufenden Ferienbetrieb. Nach-folgend ein Baustellenbericht über die nicht ganz alltägliche Maßnahme.

Entwässerungsnetz mit baujahrtypischen Mängeln

Die in den 70er Jahren gebaute Ferienanlage verfügt über etwa 400 Eigentumswohnungen in 3 Wohntürmen. Ursprünglich diente die Anlage als Hotel für Urlauber aus den umgebenden Großstädten. Vor etwa 20 Jahren wurde der Hotelbetrieb eingestellt und die Anlage in Ferienwohnungen umgewandelt.

Die Wohntürme verfügen über 16 Stockwerke mit einer Gesamthöhe von bis zu 55 Metern. Die Entwässerungsanlage stammt aus den 70er Jahren und besteht bei den Schmutzwasserleitungen aus Stahlrohren. Die Fallleitungen sind Bestandteil des Gemeinschaftseigentums, die Entwässerungsrohre in den Wohnungen gehören den jeweiligen Wohnungseigentümern. Die Fallleitungen haben entsprechend der Wohnhaushöhe Längen von bis zu 50 Metern. Die Leitungen in den Wohnungen sind sehr kurz mit bis zu 2 Metern Länge.
Seit einiger Zeit wurden immer wieder Schäden durch undichte Abwasserrohre von den Eigentümern gemeldet. Die Fallleitungen weisen unter anderem Risse und im Bereich der Rohrverbindung in weiten Teilen starke Korrosion auf. Die Schadensmeldungen haben sich in den letzten Monaten und Jahren immer mehr gehäuft.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Eigentümergemeinschaft entschlossen, die Fallleitungen komplett zu sanieren. Da eine komplette Erneuerung der Rohrleitungen nur mit unverhältnismäßig hohem Auf-wand sowie Stemm- und Aufbrucharbeiten durch alle Wohneinheiten zu realisieren ist, wurden sehr schnell alternative Verfahren in Erwägung gezogen. Die Wahl fiel letztendlich auf eine Kombination aus dem Schlauchlining-Verfahren für die Fallleitungen sowie dem Sprühverfahren für die Leitungen inner-halb der Ferienwohnungen. Stemm- und Aufbrucharbeiten können so weitestgehend vermieden werden.

Arbeiten dort und dann, wo und wenn andere Urlaub machen – und das unter Zeitdruck

Der Auftrag zur Sanierung der Abwasserrohre ohne Stemm- und Aufbrucharbeiten wurde an die lokal ansässige Firma CANN’A’QUA Kanalsanierung aus Bad Harzburg vergeben. Die Firma hat bereits seit Jahren Erfahrungen bei der Sanierung sowohl von erdverlegten Abwasserleitungen als auch von Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden. Als jahrelanger Anwender des BRAWOLINER®-Schlauchlining- und neuerdings auch des Spray-Liner®-Verfahrens, verfügt das Unternehmen darüber hinaus über das notwendige technische Equipment für die anspruchsvolle Sanierung der Abwasserrohre innerhalb von Gebäuden.

Die große Herausforderung bei der Sanierung der Abwasserrohre in der Ferienwohnungsanlage in Bad Harzburg war, dass die Sanierung im laufenden Betrieb erfolgen musste. Einschränkungen und Störungen für die Bewohner mussten daher so kurz wie möglich gehalten werden. Ziel und Vorgabe war, die Fallleitungen inklusive der bis zu 26 Zuläufe pro Fallstrang in nur wenigen Stunden zu sanieren, so dass die Bewohner auf die Entwässerung maximal zwischen 8 und 16 Uhr verzichten mussten.

Planung und Vorbereitung sind der Schlüssel zum Erfolg

Um den engen und herausfordernden Zeitplan von maximal 8 Stunden Sanierungszeit pro Fallleitung einschließlich der Wiederöffnung der Zuläufe einzuhalten, waren die Planung und die Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. In diesem Zusammenhang wurden wichtige Aspekte im Vorfeld beachtet und folgende Arbeiten vorab durchgeführt:

  • Herstellung von Revisionsöffnungen in einigen Zwischenetagen,
  • Verteilung und Aushang von Informationen für Anwohner,
  • Baustelleneinrichtung und
  • Reinigung der Entwässerungsanlage

In einigen Zwischenetagen wurden in zugänglichen Bereichen neue Revisionsöffnungen eingebaut. Dies dient zum Einen dazu, dass in diesen Bereichen der Einbau des Liners beim Inversionsvorgang kontrolliert werden konnte. Es wurde geprüft, ob der Liner während des Einbaus eng anliegt und keine Imperfektionen vorhanden waren. Zum Anderen dienten die Revisionsöffnungen zum Positionieren und Einführen des Fräsroboters zum Öffnen der Zuläufe. Auch können die Revisionsöffnungen für spätere Inspektions- und Wartungszwecke genutzt werden.

Des Weiteren wurden im Vorfeld der Baumaßnahme Bewohnerinformationen verteilt und durch Aushänge in den Hausfluren und Aufzügen ergänzt. Den Bewohnern wurde angekündigt, dass die Arbeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfinden und während dieser Zeit eine Nutzung der Entwässerung nicht möglich ist. Außerdem wurden Sie explizit darauf hingewiesen, dass die Handwerker vor Ort die eigenen Arbeiten mit Bodycams aufzeichnen. Erfahrungen aus vergangenen Projekten haben gezeigt, dass ohne einen solchen entsprechenden Hinweis es vermehrt zu Meldungen an Versicherungen über etwaige Schäden gekommen ist. Seitdem ein solcher Hinweis ausgehangen wird, bewegen sich derartige Meldungen quasi gegen Null.

Um den Zeitplan einzuhalten, war es zudem sehr wichtig, die Baustelle im Vorfeld sorgfältig einzurichten. Unter anderem wurden die Schläuche und Anlagen für den Linereinbau, die Dampfanlage, der Kompressor, das Inversionsgerät und das Notdruckluftaggregat entsprechend bereitgestellt bzw. positioniert. Darüber hinaus wurde im Vorfeld geklärt, dass die Zugänglichkeiten und genügend Platzbedarf für die Arbeiten am Tag der Inversion vorhanden waren. Die Reinigung und letztmalige Inspektion der Entwässerungsanlage wurde am Vortag durchgeführt, so dass mit der Tränkung des Liners und der Inversion direkt am Morgen gestartet werden konnte.

Zeitplan eingehalten: 50 Meter Fallleitung mit bis zu 26 Zuläufen in 8 Stunden saniert

Insgesamt wurden an neun Tagen neun Fallleitungen saniert. Der Zeitplan wurde an jedem Tag eingehalten. Nachfolgend dargestellt ist beispielhaft ein Tagesablauf von der Sanierung einer Fallleitung:

08:00 Uhr: Ankunft der Sanierungskolonne auf der Baustelle (in der Regel 4 Personen).
08:30 Uhr: Die Leitung wird gesperrt und letztmalig mittels TV-Inspektion befahren. In der Zwischen-zeit wird der Schlauchliner bereits getränkt und auf die erforderliche Wandstärke gewalzt.
09:15 Uhr: Der Schlauchliner wird auf das Dach gebracht und die Inversion von oben nach unten gestartet. Die Inversion und der Linerverlauf werden in den Zwischenetagen in den Revisionsöffnungen kontrolliert. Die Inversion ist abgeschlossen, sobald der Liner am Endpunkt im unteren Geschoss angekommen ist.
10:00 Uhr: Die Dampfanlage wird gestartet und die Aushärtephase beginnt.
11:30 Uhr: Der Schlauchliner ist ausgehärtet und die Abkühlphase beginnt. Am Startpunkt und am Inversionsende wird der Schlauchliner bündig abgeschnitten. Die Leitung wird wieder an das Entwässerungsnetz angeschlossen. Währenddessen wird der Schlauchliner weiterhin von oben mit Luft gekühlt.
11:45 Uhr Die Revisionsöffnungen in den Zwischenetagen werden mittels eines Trennschleifers ge-öffnet. Der Schlauchliner wird im Bereich der Revisionsöffnungen in den Zwischenetagen mit einem speziellen Silikon abgedichtet.
12:00 Uhr: Das Öffnen der Anschlüsse mit dem Fräsroboter aus der Fallleitung heraus startet. Gearbeitet wird von unten nach oben. Das Öffnen eines Zulaufs dauert bei einem erfahrenen Monteur deutlich weniger als 10 Minuten (5 bis 6 Minuten im Schnitt). Vom 1. bis zum 9. Geschoss werden die Arbeiten bis etwa 13:30 Uhr abgeschlossen und bis zu 13 Zuläufe geöffnet. Die Bewohner können unmittelbar nach der Öffnung des Zulaufs die Entwässerung wieder in Betrieb nehmen.
14:00 Uhr: Der Fräsroboter wird in das 16. Geschoss gebracht und die Öffnung der Zuläufe von Etage 10 bis 16 beginnt. Die Fräsarbeiten werden gegen 15:30 Uhr abgeschlossen. Danach können sämtliche Entwässerungsgegenstände im Gebäude wieder in Betrieb genommen wer-den.
16:00 Uhr: Die Baustelle wird aufgeräumt und die Arbeiten abgeschlossen.

Alle 9 Fallleitungen mit bis zu 26 Zuläufen, die allesamt von der Fallleitung heraus geöffnet wurden, wurden in einem ähnlichen Zeitplan erfolgreich mit dem Schlauchlining-Verfahren saniert. Falls das Öffnen der Zuläufe von innen heraus nach optischer Einschätzung zu keinem vertretbaren Ergebnis führte, wurden die Anschlüsse mit dem Vortex-Cutter zulaufseitig nachgeschliffen. Hierzu waren jedoch Arbeiten in den Wohneinheiten notwendig und vorhandene Entwässerungsgegenstände mussten abgeschraubt werden. Von dieser Option musste aber nur in sehr wenigen Einzelfällen Gebrauch gemacht werden.

Fallleitungen mit BRAWOLINER® HT und Leitungen in den Wohnungen mit Spray-Liner®

Im Zuge der Baumaßnahme wurden insgesamt 9 Fallleitungen in DN 100 und DN 125 mit dem speziell für den Inhouse-Bereich bauaufsichtlich zugelassenen Schlauchliner BRAWOLINER® HT saniert. Mit dem Liner werden insbesondere die Anforderungen im Inhouse-Bereich an den Brandschutz (Klasse B2) und die Wärmeformbeständigkeit (> 93°C) eingehalten. Zu beachten ist, dass die Fallleitungen Be-standteil des Gemeinschaftseigentums sind und der Auftrag aus der Eigentümergemeinschaft heraus erteilt wurde. Die Entwässerungsleitungen innerhalb der Wohnungen sind in den Nennweiten DN 50, DN 70 und DN 100 verlegt (Küchen- und WC-Anschlüsse). Die Sanierung dieser Leitungen kann durch die Wohnungseigentümer im Zusammenhang mit der Baumaßnahme ebenfalls beauftragt werden. Dies ist jedoch von jedem Wohnungseigentümer selbst zu erledigen. Nach erteiltem Auftrag werden die in der Regel sehr kurzen Leitungen in den Wohnungen mit dem ebenfalls für die Inhouse-Sanierung bau-aufsichtlich zugelassenen Verfahren Spray-Liner® durch die Firma CANN’A’QUA Kanalsanierung saniert.

Drei Bauabschnitte in drei Jahren

Das Projekt war zwischen 2016 und 2018 auf insgesamt drei Jahre ausgelegt. Jedes Jahr wurden sämtliche Fallrohre in einem Wohnturm saniert. Da an einem Tag jeweils nur eine Fallleitung saniert wurde, konnten Störungen und Einschränkungen für die Bewohner auf ein Minimum reduziert werden. Das Projekt wird in den kommenden Monaten weitergehen. Die Eigentümer der Wohnungen wurden bezüglich der Leitungen innerhalb der Wohnungen angeschrieben. Die Sanierung dieser Leitungen er-folgt dann mit dem Spray-Liner-Verfahren.Die Firma CANN’A’QUA Kanalsanierung aus Bad Harzburg hat das herausfordernde Projekt mit Erfolg ausgeführt. Neben der geeigneten Gerätetechnik verfügt das Unternehmen über Mitarbeiter, die die notwendige Erfahrung und das handwerkliche Geschick für die Inhouse-Sanierung mitbringen. Weitere Maßnahme in dieser Art sind bereits in Planung.

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